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 winkelmandje 

Anthroposophie

Weisheit vom Menschen

Rudolf Steiner

1. Vortrag (Köln, 23.1.1922)
Was ist Anthroposophie?
Wie der Geist das Leben schön macht
▪ Anthroposophie meidet sowohl das Illusorische der Mystik als auch das Abstrakte der Philosophie. Durch intellektuelle Bescheidenheit kann der erwachsene Mensch seine innere Entwicklung fortsetzen. Er kann das Denken durch Meditationsübungen verstärken
▪ In der «imaginativen Erkenntnis» wird das Denken körperfrei
und das eigene Leben wird wie in einem Zeitpanorama bis
zurück zur Geburt angeschaut. In der «inspirierten Erkenntnis» wird ein leeres Bewusstsein hergestellt und das Leben vor der Geburt wird wahrgenommen
▪ Durch Weiterentwicklung der Willens- und Liebeskräfte wird
in «intuitiver Erkenntnis» das Leben der Seele nach dem Tod
– ihre «Unsterblichkeit» – geschaut. In der Philosophie der Freiheit
wird ausgeführt, dass schon im alltäglichen Wollen der Mensch aus reinen, das heißt freien Gedanken handeln kann
▪ Durch Imagination, Inspiration und Intuition erlebt man den
Geist, vor allem den Geist der Sonne und des Mondes, am
Werk in der ganzen Welt. Die Erkenntnis der Wirksamkeit
des Geistes in der Welt kann die Medizin vertiefen und auch
die Kunst inspirieren
▪ Die Pädagogik sowie das gesamte soziale Leben kann durch
die Erkenntnis des Seelischen und des Geistigen erneuert
werden. Das Erkennen des ewigen Geistes in jedem Menschen gibt der Religion eine tiefere Grundlage und der materialistischen Kultur eine Seele

2. Vortrag (Köln, 18.5.1922)
Anthroposophie als Leben
Der moderne Weg der inneren Entwicklung

▪ Beim Einschlafen verschwindet das innere Leben ohnmächtig
ins Unbewusste, beim Aufwachen wirkt es undurchschaubar
im Körper. Dieses Rätsel erzeugt im Gläubigen den Aberglauben und im Wissenschaftler den Zweifel. Beides wirkt schädigend auf den Körper
▪ Anthroposophie geht weder von abnormen Seelenzuständen
noch vom Glauben an überlieferte Wahrheiten aus. Sie bildet
die vorhandenen Erkenntniskräfte weiter. Der alte Yogi machte den Atmungsprozess bewusst und das damals lebendige Denken so tot und abstrakt, wie es für uns heute ist
▪ Der Geistsucher musste sich in der alten Zeit vom Leben zurückziehen. In der Askese schwächte der Mensch seinen Körper. Heute kommen wir durch rein innerliche Übungen zur
Verlebendigung des Denkens, zu einem «exakten Hellsehen»
(Imagination). Der Begriff des Tieres zum Beispiel verwandelt sich rein innerlich zum Begriff des Menschen
▪ Im lebendigen Denken wird - anders als bei Schelling und
Oken – der ganze Mensch zum Sinnesorgan. Durch die Überwindung des Leidens dringt der Mensch in die Wirklichkeit des Geistes hinein. Er sieht den geistigen Menschen, wie er vor der Geburt in der geistigen Welt lebt und an der Gestaltung des physischen Körpers arbeitet
▪ In moralischer Hinsicht sieht der Mensch sein Schicksal im
Einklang mit seinen vergangenen Leben. Das religiöse Leben
wird vertieft, wenn der Mensch weiß, dass das gemeinsam
durchlebte Schicksal nach dem Tod fortgeführt wird. Anthroposophie macht den Geist wieder unmittelbar erlebbar

3. Vortrag (Bern, 20.3.1922)
Die Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Weiterentwicklung des Denkens und des Willens

▪ Die Naturwissenschaft kann die Frage nach dem Wesen des
Menschen nicht beantworten. Beim Tod wird der physische
Körper den äußeren Naturkräften übergeben. Im Leben wirkt
der Körper mit seinen Todeskräften vielfach auf die Seele.
Das wirft die Frage auf: Was bleibt von der Seele, wenn der
Körper nicht mehr ist?
▪ Anthroposophie ist etwas ganz anderes als die bekannte Mystik. In seinem Inneren findet der Mensch nur Erinnerungen an
äußere Erlebnisse. Wenn er aber durch meditative Übungen
das Denken verlebendigt, erfasst er den Ätherleib und überschaut sein Leben seit der Geburt wie in einem Tableau
▪ Im anthroposophischen Üben bleibt das normale Bewusstsein
bestehen. Durch Herstellung eines leeren Bewusstseins kann
der Mensch sein Leben vor der Geburt schauen. Die einzelnen Organe des Körpers erscheinen wie eine Erinnerung an die geistige Außenwelt, an das kosmische Geschehen
▪ Durch eine übende Verstärkung des Willens wird der ganze
Mensch zu einem selbstlosen Sinnesorgan für die Wahrnehmung der geistigen Welt gemacht. Der Mensch muss die Liebe zur Erkenntniskraft machen, um sein körperfreies Leben
nach dem Tod zu erkennen
▪ Anthroposophisches Erkennen ist Leben: Es muss sich wie
das Leben täglich erneuern, und es erneuert jeden Tag das
ganze Leben

[Rudolf Steiner Ausgaben, 2015]

Anthroposophie

Weisheit vom Menschen

Rudolf Steiner · alles van deze auteur 

€ 7.00